Friedrich Dürrenmatt: Schweizer Schriftsteller, Dramatiker und Maler.
"Ich glaube, der Humor ist der letzte Versuch der Objektivität, den man der Welt gegenüber hat. Ich glaube, dass man im Schreiben unbewusst - das klingt jetzt vielleicht überheblich - irgendwie die Stellung Gottes einnimmt. Also, wenn es einen Gott gibt, der muss einen unendlichen Humor haben. Der muss wahnsinnige Freude haben, Welten in die Luft zu jagen, der ist wie ein Kind, das mit Zinnsoldaten spielt. Und dem Moral oder sonst etwas anzudichten, - nein - ich glaube, der hat einfach Freude an dem ganzen Spektakel. Und das hat unbewusst der kreative Mensch auch. Ich habe nie etwas mit Hass geschrieben. Ich habe einfach Freude an dem, was man kreiert." (Friedrich Dürrenmatt). "Wer das Scheitern nicht wagt, soll die Hände von der Kunst lassen." (Friedrich Dürrenmatt). Justiz - Roman - Diogenes Verlag - ISBN 3 - 527 - 21540 - 1 Marcel Reich-Ranicki verglich Bertolt Brecht mit dem Dramatiker Friedrich Dürrenmatt: ".....Dürrenmatt hingegen, der mit keiner Fahne dienen konnte und in dessen Hand sich auch kein Kreuz entdecken ließ, - der von vornherein erklärte, daß jede Utopie sich als eine Fata Morgana erweisen müsse, lag quer und saß zwischen allen Stühlen. Nichts gegen Brecht: Er war - (das ist wahrlich eine Banalität) - ein Jahrhundertgenie. Wir haben allen Anlaß, uns vor ihm tief zu verneigen, wie vor Franz Kafka oder Thomas Mann. Doch erlauben wir uns leise zu sagen, daß eine Antwort auf die Welt nach 1945 in seinen Schriften nicht mehr zu finden ist, - da eher schon in den Hauptwerken des Nachgeborenen, also Friedrich Dürrenmatts. |
Brecht garnierte seine Stücke mit frommen Sprüchen, - Dürrenmatt mit bitteren Sarkasmen und beide oft mit nicht gerade anspruchsvollen Gags. (zum Glück) Brecht kam mit dem Gesangbuch daher, mit dem revolutionären, versteht sich; - er trug es stets griffbereit in der Tasche. In Dürrenmatts Tasche war Platz vor allem für Sprengstoff. Brecht wollte heilen, Dürrenmatt wollte verletzen. Er glaubte an Nichts; - zumindest gab er dies vor. Dürrenmatt machte die Lächerlichkeit aller Lösungen deutlich. Friedrich Dürrenmatt paßte in keinen Rahmen, - jedenfalls nicht in einen deutschen." | ![]() |
Zu den Hauptwerken Dürrenmatts zähle ich zweifellos sein sprachlich brilliantes Spätwerk. Ebenfalls seine Essays, Gedanken und seine Ansammlung von Stoffen. - Das Spätwerk, das durch unausgewogene Kritik, oftmals zerrissen wurde. Wie man im Nachhinein weiß: Zu Unrecht. Dürrenmatts späte Werke aus den 80-iger Jahren sprechen unzweifelhaft die Sprache unserer Gegenwart. Hierzu gehören auch: `Justiz`; `Der Auftrag - vom Beobachten des Beobachters der Beobachter`, `Winterkrieg in Tìbet` und `Minotaurus`. Justiz hatte ich als Neuerscheinung 1985 meiner Schwester geschenkt - es verging fast ein Vierteljahrhundert, bis ich diesen Roman gelesen hatte. (Inzwischen fünf Mal). In diesen Jahren, schleppte ich dieses Buch, während unzähliger Umzüge, in Bananen-Kartons durch den Süden Deutschlands. Erst ein Hinweis Jürgen Roths veranlasste mich, diesen gesellschaftskritischen Kriminalroman zu lesen. Es ging mir damit, wie mit Kafkas Prozess (1914 bis 1924 entstanden). - Es war geradezu unheimlich, über diejenigen Mechanismen zu lesen, die nach wie vor in einer korrupten, unkontrollierten Justiz herrschen. - So, wie in unserer jetzigen Gegenwart. Eine Justiz, deren Beauftragte ein unkontrolliertes System dazu missbrauchen, um die eigene Fressgier nach Wohlstand, Bequemlichkeit und reinem Egoismus zu sättigen. Unzweifelhaft ein zeitloses Problem. |
![]() | Dürrenmatt lehnt in seinen Werken jede politische oder religiöse Fixierung ab. - Ein Realist - kein Utopist. Mit Misserfolgen hatte Dürrenmatt ebenso zu leben, wie mit Erfolgen. Was die große Schar der Kritiker betrifft, die über Dürrenmatt richteten, so müssen wir uns folgendes vergegenwärtigen: Die Herkunft eines Kritikers, der nicht die Fähigkeit besitzt, ein Werk in seinem dazugehörigen kulturellen Umfeld zu betrachten, kann gar nicht in der Lage sein, fundierte Kritik zu äußern. - Vielleicht handelt es sich bei solchen Kritikern auch nur um gescheiterte und frustierte Künstlernaturen. Friedrich Dürrenmatt über einen seiner aggressivsten "JUSTIZ"- Kritiker Jörg Laederach, der auf der Buchmesse 2009 auch etwas zum Besten geben durfte: "Wenn mich ein Frisch oder Bellow kritisiert, - gut oder nicht gut, - das akzeptiere ich. Aber eine Kritik von einem Laederach, das ist jemand, der einen anpinkelt." |
Dürrenmatt verstand, mit Misserfolgen und Erfolgen gleich gut umzugehen. - Oftmals muss man sich fragen, sind seine Kritiker auch Neider ? - Ich glaube, es war der Misserfolg seines allerersten Theaterstücks in Zürich, was Dürrenmatt als eine Art positive Vorhersehung deutete.
Dürrenmatt - Der Auftrag oder vom Beobachten des Beobachters der Beobachter - Novelle - ISBN - 3 - 257 - 01730 - 8.
Justiz, der Auftrag, sowie das gesamte Spätwerk gehören zur Krönung in Dürrenmatts Werk. Weitaus wichtiger und bedeutender als `Der Richter und sein Henker` - (Dürrenmatts erstem Krinminalroman) - ist für mich die `Justiz`. Logisch hatte es die Kritik mit diesem Werk sehr schwer. - Entsprach es doch nicht dem üblichen Strickmuster einer Kriminal- oder Detektivgeschichte. Klischees einzelner Rollenfiguren oder `Helden` werden auf Grund ihres Handelns entlarvt und einer realistischen Situation gegenübergestellt. Zudem schildert Dürrenmatt in diesem Buch ein nacktes Abbild der Züricher Justiz und deren Privilegierten in ihrer Gesellschaft, - für die ohne Einschränkung auch die gegenwärtige deutsche Gesellschaftsordnung und die deutsche Justiz stehen kann. Vorstellungen, von all dem, was ein Kriminalroman-Leser gerne entdecken möchte, da er durch die abgeflachte Medienwelt einer Gehirnwäsche unterzogen wurde, existieren in diesem Werk nicht. - Eben, ein konstruktives Werk, - seiner Entstehungszeit voraus.
Dürrenmatt wäre nicht er selbst, hätte er nicht versucht, dem Genre Kriminalroman erneut seinen Stempel aufzudrücken. Dies, indem er das Genre verändert, weiterentwickelt und somit der Fortentwicklung moderner Literatur neue Richtungsmöglichkeiten weist. Die Thematik `Recht und Gerechtigkeit` durchzieht Dürrenmatts gesamtes Werk. Wie Reich- Ranicki treffend sagte: "Dürrenmatt ist nicht unser Richter, aber vielleicht unser Gewissen, das uns nie in Ruhe lässt." Ein Grund für mich, Dürrenmatts Gesamtwerk in 37 Bänden zu entdecken. Ein grenzenloser Schatz, zeitloser Gedanken. Es war ebenfalls Reich- Ranicki, der Friedrich Dürrenmatt (und Max Frisch) für den Nobelpreis vorgeschlagen hatte. | ![]() |
Dürrenmatt - das Prosawerk in 19 Bänden - ISBN-10: 3257230788 - (4480 Seiten) - Diogenes Verlag.
"Dürrenmatt gehört zu den ganz wenigen Genies der Nachkriegsliteratur deutscher Sprache. Ein Meteor wie Büchner und Kafka. Dieser geniale Mensch hatte eine unheimliche Witterung von wirklichen Zuständen, und man hat es überhaupt nicht wahrgenommen. Man hielt ihn für einen Clown, weil er einen Clown gespielt hat. Dabei ist er einer der tiefsten Denker und einer der klügsten politischen Schriftsteller." (Hans Mayer)
"Wir haben an Dürrenmatt nicht nur einen Stückeschreiber, wir haben an ihm einen, der universell wie kaum einer unserer Spezialisten über alles nachdenkt, was die Welt zusammenhält und auseinanderbrechen läßt. Kaum jemand ist heute imstande, Ursachen und Gründe so genau zu benennen wie er." (Basler Zeitung)
Dürrenmatt - das dramatische Werk in 18 Bänden - ISBN-10: 3257230400 - (4032 Seiten) - Diogenes Verlag.
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